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Otto-Heinrich Elias. August von Kotzebue als politischer Dichter |
2007, nr. 3 |
Obwohl August von Kotzebue (1761–1819),
der meistgespielte Theaterautor der Goethezeit, in Estland weder
geboren noch gestorben ist, kann man ihn als Estländer bezeichnen,
denn er hatte hier seinen Lebensmittelpunkt gefunden. In der deutschen
Literaturgeschichte hat er keinen guten Ruf; hier wirken zeitgenössische
literarische Auseinandersetzungen bis heute nach. Auch war Kotzebue
als Dramatiker, Prosaist, Historiker und Journalist so produktiv,
dass ein Überblick über sein Werk schwer zu gewinnen
ist. Man kann sein Leben in zwei Perioden einteilen: einen ersten
Abschnitt, in dem er nach seinem Jurastudium und einem kurzen
Aufenthalt in St. Petersburg als Justizbeamter in Reval lebte,
hier zusammen mit Freunden ein Privattheater betrieb, für
das er selbst einige Stücke schrieb, durch die er in Deutschland
und in aller Welt berühmt wurde, und einen zweiten Teil,
in dem er vorwiegend in Deutschland sein professionelles Auskommen
als Theaterfachmann und -autor, als Journalist und zeitweilig
als russischer Diplomat fand, und indem er versuchte, seinem frühen
Ruhm gerecht zu werden. Diejenigen Stücke, die es verdienen,
dass sich die Literaturgeschichte wieder ihrer erinnert, entstammen
überwiegend der ersten, der Revaler Periode. Sie sind geprägt
von einer Weltsicht, die der französischen Aufklärung
verpflichtet war, und plädieren für die aufgeklärte
Monarchie, für die Annäherung der Weltreligionen, für
die Reform der Leibeigenschaft und für mehr Toleranz in den
Beziehungen der Geschlechter. Diese Texte haben durchaus kritische,
politische Relevanz. Später wandte er sich unter anderem
historischen Themen zu. Zu allen Zeiten schrieb er publikumswirksame,
intrigenreiche Komödien, in denen sein Sprachwitz manchmal
kabarettistische Qualitäten aufwies. In den Napoleonischen
Kriegen engagierte er sich journalistisch als deutsch-russischer
Patriot gegen den Korsen. Diese Tätigkeit sowie seine Hinwendung
zur Geschichte und zur positiven Religion belegen seine Annäherung
an den Zeitgeist der Jahrhundertwende, den der Romantik. Seine
Ermordung als "Reaktionär" beruhte auf einem Missverständnis.
Stichworte: Unterhaltungstheater,
Aufklärung, Geschichtsschreibung, Journalismus, Karlsbader
Beschlüsse.
Otto-Heinrich Elias (geb. 1932), Dr. phil.,
Geschäftsführer der Kommission für geschichtliche
Landeskunde in Baden-Württemberg i. R.
heiner_elias@yahoo.de
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